"Entspricht EN 361" steht auf allen Produktdatenblättern von Auffanggurten. Aber was genau prüft diese Norm, wer kontrolliert sie und wie kann man sicherstellen, dass ein Gurt sie zu Recht trägt? Dieser Artikel erläutert die Prüfungen, die Kennzeichnung und den regulatorischen Rahmen, der hinter diesen drei Buchstaben und drei Zahlen steckt.
Das Wichtigste: Die EN 361 ist die europäische Norm für Auffanggurte. Sie schreibt einen Fallversuch mit einer 100 kg schweren Puppe vor, die aus 4 Metern Höhe fallengelassen wird, eine statische Festigkeit von 15 kN für 3 Minuten und eine genaue Kennzeichnung (CE, benannte Stelle, Buchstabe A auf den Auffangpunkten). Der Gurt ist eine PSA der Kategorie III: seine Zertifizierung muss zwingend durch eine benannte Stelle erfolgen, der Hersteller kann sich nicht selbst zertifizieren.
1. Was genau deckt die EN 361 ab?
Der Normtext (EN 361:2002) beschreibt kein bestimmtes Gurtmodell: Er legt ein zu erreichendes Ergebnis fest. Ein konformer Gurt muss mindestens einen dorsalen oder sternalen Auffangpunkt besitzen, der die bei einem Sturz entstehende Kraft aufnehmen und den Körper anschließend in einer Position halten kann, die Verletzungen begrenzt und eine Rettung erleichtert. Alles andere (Anzahl der zusätzlichen Punkte, Gürtel, Komfort, Material der Bänder) obliegt der Wahl des Herstellers, solange der Gurt die von der Norm vorgeschriebenen Prüfungen besteht.
Ein wichtiger Punkt, der oft missverstanden wird: Die EN 361 zertifiziert kein komplettes Absturzsicherungssystem. Sie zertifiziert nur den Gurt. Das Verbindungsmittel, der Falldämpfer, die mitlaufende Auffangvorrichtung oder der Anschlagpunkt unterliegen jeweils ihrer eigenen Norm (EN 355, EN 353, EN 795...). Ein EN 361-Gurt, der mit einer nicht konformen Komponente verwendet wird, gewährleistet den angekündigten Schutz nicht mehr.
2. Die beiden Prüfungen, die einen Gurt validieren
Ein Gurt, der für die EN 361-Zertifizierung in Frage kommt, durchläuft eine dynamische Fallprüfung und eine statische Festigkeitsprüfung, die in einem akkreditierten Labor durchgeführt werden.

Die dynamische Prüfung
Eine starre 100 kg schwere Puppe wird in einem sogenannten "Sturzfaktor 2"-Setup, dem strengsten, aus 4 Metern Höhe in den freien Fall gelassen, wobei der Ankerpunkt auf Fußhöhe liegt. Der Gurt muss diesen Sturz abfangen, ohne zu reißen, ohne dass sich die Puppe aus den Gurten löst, und ohne dass die übertragene Kraft die physiologisch zulässigen Grenzwerte für einen menschlichen Körper überschreitet.
Die statische Prüfung
Jeder Absturzsicherungs-Anschlagpunkt wird anschließend 3 Minuten lang einer konstanten Last von 15 kN (ca. 1,5 Tonnen) ausgesetzt. Diese Prüfung überprüft die Dauerhaftigkeit der Nähte, der Verstellschließen und der Metallringe, unabhängig vom anfänglichen Stoß.
| Prüfung | Parameter | Was sie prüft |
|---|---|---|
| Dynamisch | Puppe 100 kg, freier Fall 4 m, Faktor 2 | Der Gurt absorbiert den Stoß, ohne zu reißen oder den Körper freizugeben |
| Statisch | 15 kN für 3 Minuten pro Anschlagpunkt | Dauerfestigkeit von Bändern, Nähten und Schnallen |
3. Eine PSA der Kategorie III: Keine Selbstzertifizierung möglich
Der Auffanggurt schützt vor tödlichen oder irreversiblen Risiken. Aus diesem Grund stuft die Verordnung (EU) 2016/425 ihn in die Kategorie III ein, die strengste Kontrollstufe für persönliche Schutzausrüstung.
Konkret ändert dies die Art und Weise, wie ein Gurt legal verkauft werden kann. Für eine PSA der Kategorie I (geringfügige Risiken) kann der Hersteller die Konformität selbst erklären. Für die Kategorie III sind zwei unabhängige Kontrollen obligatorisch:
- Die EU-Baumusterprüfung: Eine benannte Stelle (akkreditiertes und von einem Mitgliedstaat ermächtigtes Labor) prüft das Modell und stellt ein Zertifikat aus, wenn es die EN 361-Prüfungen erfüllt.
- Die jährliche Produktionsüberwachung: Dieselbe Stelle (oder eine andere benannte Stelle) prüft jährlich, ob die tatsächlich hergestellten und verkauften Gurte dem zertifizierten Modell und nicht nur dem einmal getesteten Prototyp entsprechen.
Es ist diese doppelte Überprüfung, die einen tatsächlich zugelassenen Gurt von einem Gurt unterscheidet, der lediglich eine CE-Kennzeichnung ohne Zertifizierung dahinter anbringt.
4. Die Kennzeichnung: Was Sie auf dem Etikett suchen müssen
Ein konformer Gurt trägt eine präzise Kennzeichnung, die ohne Werkzeug direkt überprüfbar ist und eine Rückverfolgung bis zur zertifizierenden Stelle ermöglicht.
- Das CE-Zeichen gefolgt von der 4-stelligen Nummer der benannten Stelle, die die EU-Baumusterprüfung durchgeführt hat; diese Nummer kann in der europäischen NANDO-Datenbank überprüft werden.
- Der Buchstabe A auf jedem Auffangpunkt: A für einen allein verwendbaren Punkt, A/2 für einen Punkt, der zwingend mit einem anderen A/2-Punkt kombiniert werden muss (zwei A/2-Punkte zusammen entsprechen einem A-Punkt).
- Der Name oder die Marke des Herstellers, die Modellbezeichnung und die Größe.
- Das Herstellungsjahr und die Chargennummer, notwendig für die Rückverfolgbarkeit im Falle eines Rückrufs.
- Das Piktogramm "Anleitung lesen", das auf die Gebrauchsanweisung verweist, die dem Gurt zwingend beiliegen muss.
Vor dem Kauf zu prüfen: Eine CE-Kennzeichnung ohne nebenstehende Nummer der benannten Stelle hat für eine PSA der Kategorie III keinen Wert. Das Vorhandensein des Symbols allein genügt nicht; die 4-stellige Nummer, die in NANDO überprüfbar ist, bezeugt eine tatsächliche Kontrolle.
5. EN 361 im Vergleich zu anderen Gurt-Normen
Die EN 361 schützt vor Stürzen. Sie deckt weder die Arbeitsplatzpositionierung noch die längere Aufhängung noch die Rettung ab – drei Funktionen, die durch andere Normen geregelt sind.
| Norm | Funktion |
|---|---|
| EN 361 | Auffangen eines Sturzes (Auffanggurt) |
| EN 358 | Arbeitsplatzpositionierung (freihändiges Stützen, schützt nicht vor Stürzen) |
| EN 813 | Komfortable und längere Aufhängung (Sitzgurt) |
| EN 365 | Allgemeine Regeln für die regelmäßige Prüfung und Lebensdauer von Absturzsicherungs-PSA |
| EN 1497 | Rettungsgurt |
Diese Normen können sich je nach Anschlagpunkten eines Gurtes kumulieren – ein Gurt kann gleichzeitig EN 361 und EN 358 konform sein – aber sie ersetzen sich niemals gegenseitig: Ein Gurt, der nur EN 358 entspricht, ohne EN 361, schützt nicht vor einem Sturz.
6. Lebensdauer und regelmäßige Prüfung
Die Norm EN 361 legt kein Verfallsdatum fest. Die Gebrauchsanweisung des Herstellers, ergänzt durch die regelmäßige Prüfung nach EN 365, regelt die tatsächliche Nutzungsdauer eines Gurtes.
Zwei Regeln bestimmen die Lebensdauer eines Gurtes nach dem Kauf: Eine regelmäßige Prüfung durch eine sachkundige Person mindestens alle 12 Monate (EN 365), dokumentiert in einem Lebenslaufblatt der PSA, und eine sofortige Ausmusterung nach jedem Sturzereignis – selbst ohne sichtbare Schäden können die Gurtbänder unsichtbar für das bloße Auge geschwächt sein.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist die Norm EN 361?
-
Die europäische Norm, die die Anforderungen an die Konstruktion, Prüfung und Kennzeichnung von Auffanggurten festlegt, um sicherzustellen, dass sie einen Sturz abfangen und den Körper in einer Position halten, die Verletzungen begrenzt.
- Welche Prüfungen muss ein Gurt bestehen?
-
Eine dynamische Prüfung (100 kg Puppe, 4 m freier Fall, Faktor 2) und eine statische Prüfung (15 kN für 3 Minuten an jedem Anschlagpunkt).
- Warum ist der Gurt eine PSA der Kategorie III?
-
Weil er vor tödlichen oder irreversiblen Risiken schützt. Die Verordnung (EU) 2016/425 schreibt dann eine EU-Baumusterprüfung durch eine benannte Stelle und eine jährliche Produktionsüberwachung vor – keine Selbstzertifizierung möglich.
- Wie erkennt man einen wirklich konformen Gurt?
-
CE-Kennzeichnung gefolgt von der 4-stelligen Nummer der benannten Stelle (überprüfbar in der NANDO-Datenbank), Buchstabe A auf den Absturzsicherungspunkten, Name des Herstellers, Referenz, Größe, Herstellungsjahr.
- Hat die EN 361 ein Verfallsdatum?
-
Nein, aber jeder Gurt hat eine vom Hersteller festgelegte Lebensdauer und muss mindestens alle 12 Monate überprüft werden (EN 365). Ein Gurt, der einen Sturz abgefangen hat, wird sofort ausgemustert.
Für weitere Informationen: Sobald die Norm verstanden ist, bleibt die Wahl des richtigen Modells für Ihre Tätigkeit – Anzahl der Punkte, Komfort, zulässige Last. Siehe den Leitfaden zur Auswahl des Auffanggurts und den Vergleich der Hersteller in der Branche.
Ein in Frankreich hergestellter und zertifizierter Auffanggurt
Die gesamte SASSI-Reihe entspricht EN 361, ist von einer benannten Stelle zertifiziert und umfasst mehrere in Frankreich hergestellte Referenzen bis 150 kg.


